01/2025 Blockbaupionier
BEWEGEN
Mehr als 3000 «Hölzige» am IHF in Innsbruck
Das Internationale Holzbau Forum hat sich wieder einmal selbst übertroffen: Mehr als 3000 Teilnehmende fanden zum Jahresende den Weg nach Innsbruck, um sich über Innovationen, Best-Practice-Projekte und ressourcenschonende Materialverwendung im Holzbau zu informieren. Ebenfalls ein Rekord: 570 Teilnehmende reisten aus der Schweiz an.
Text und Bilder Dorothee Bauland
Ressource Holz in Europa
«Auf europäischer Ebene wird etwa ebenso viel Nadelholz verbrannt, wie stofflich genutzt wird.» Mit dieser Information startete Professor Matthias Dieter vom Thünen-Institut für Holzforschung den dreitägigen Vortragsmarathon am Internationalen Holzbau Forum (IHF) in Innsbruck. Der Leiter des Instituts für Waldwirtschaft in Hamburg-Bergedorf hatte keine allzu guten Nachrichten im Gepäck: «Das Rohholzaufkommen in Europa wird künftig tendenziell eher niedriger ausfallen – bei einem global steigenden Holzbedarf.» Einfluss auf die Verfügbarkeit von Holz hätten viele Faktoren, so Matthias Dieter. Neben Käferkalamitäten – deren Häufigkeit steige und damit die Planbarkeit der Holzbewirtschaftung schwierig mache – seien es vor allem auch politische Entscheide, die sich auf die Verfügbarkeit auswirken. Als Beispiele nannte er den European Green Deal, die LULUCF-Vorschriften zum CO2-Fussabdruck und die EU-Biodiversitätsverordnung. Die aktuellen Handelsbeschränkungen und US-Zölle hätten zum Glück nur geringe Auswirkungen auf die europäische Holzwirtschaft. In seiner Projektion bis 2062 rechnet Matthias Dieter mit einer geringeren Rohstoffverfügbarkeit für Europa, jedoch mit regionalen Unterschieden und hoher Volatilität aufgrund des Klimawandels. Dabei werde der Trend zu mehr Laubholz und Starkholz gehen. Lösungsansätze sieht er in der Verbesserung der Rohstoffeffizienz, in einer stärkeren stofflichen Verwendung von Rest- und Altholz und der Erschliessung von Nutzungspfaden für Laubholz. Ausserdem brauche es verlässliche Lösungen (Holzlagerplätze, Logistik) für Kalamitätsfälle. Eine langfristige Sicherung des Nadelholzanbaus sei elementar.
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Nationen nahmen am 29. IHF teil
Weniger Holz ist mehr
«Wir müssen nicht darüber nachdenken, Beton mit Holz zu ersetzen – wir haben nicht genug!» Vortragsredner Wolfram Kübler, Partner und Geschäftsleiter bei WaltGalmarini in Zürich, sagte deutlich, was in der Holzbranche nur ungern gehört wird. Doch was sind die Alternativen, um graue Energie beim Bauen zu senken? Der Bauingenieur beschäftigt sich unter anderem intensiv mit Betonrezepturen, in denen der Zementanteil reduziert werden kann. «Die leistungsbasierte Ausschreibung für Beton des ASTRA ist der Dieselskandal der Betonbemessung», formulierte er provokant. 2025 wurde in der Schweiz der Anhang ND zur SN EN 206:2013+A2:2021 eingeführt. Der Zweck bestehe darin, über leistungsbezogene Entwurfsverfahren für Beton mehr Nachhaltigkeit und Betonleistungsfähigkeit zuzulassen. Beispielsweise könnten dadurch Materialien aus der Kreislaufwirtschaft sowie CO2-optimierte Ausgangsstoffe verwendet werden. Erste realisierte Bauprojekte würden zeigen, so Kübler, dass mit ND-Beton praxistauglich bereits 30 bis 50 Prozent der Emissionen von typischen und repräsentativen Hochbaukonstruktionen reduziert werden könnten. «Den Zementersatz bilden Zusatzstoffe wie Gesteinsmehle, Flugaschen, Hüttensand sowie kalzinierte Tone und getemperte puzzolanische Gesteinsmehle.» Sein Plädoyer galt jedoch dem Verzicht auf Beton: «Wir sollten beim Bauen die Emissionen einer Baugrube mitberücksichtigen und auf ein grosses Untergeschoss verzichten.» Nach der Devise «Weniger Holz ist mehr» gehe es darum, die Holzmenge je Gebäude nicht zu maximieren, sondern mit einem möglichst geringem Holzanteil Beton beziehungsweise Zement maximal zu vermeiden. Auch sollte die Holzenergienutzung zukünftig wieder stark reduziert oder zumindest nicht konkurrenzierend mit Bauholz betrieben werden.
Altholz macht glücklich
«In Altholz steckt – aus technologischer Sicht – wahnsinnig viel Potenzial», eröffnete Referent Martin Weigl-Kuska von der Holzforschung Austria seiner Zuhörerschaft. «Wenn nur die Kontamination nicht wäre!» Am Reissbrett entworfen sehe die Kreislaufwirtschaft meist sehr übersichtlich aus, doch ausgehend von einer etablierten Linearwirtschaft sei sie eine Transformationsaufgabe. Als gedankliches Grundgerüst hätten sich die «10 R» durchgesetzt: Refuse, Rethink, Reduce, Re-Use, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycle und Recover. Altholz habe enorme Vorteile gegenüber Frischholz, so Weigl-Kuska, weil es üblicherweise nicht mehr technisch getrocknet werden muss und aufgrund der Vielzahl an Klimazyklen, die es durchlaufen hat, auch sehr dimensionsstabil ist. «Es kann jedoch von Vorteil sein, Altholz nach der ersten Qualitätssortierung oder technologischen Aufbereitung präventiv einer Temperaturbehandlung zu unterwerfen, um einen etwaigen aktiven Befall durch Insekten zu stoppen.» Wird Altholz für den Re-Use überarbeitet, müssen prozessbedingt zumeist fünf Millimeter von der Oberfläche abgetragen werden. Analysiere man den verbleibenden Querschnitt, lasse sich aber selbst bei bekannterweise kontaminiertem Altholz vielfach eine Holzqualität vorfinden, welche sich chemisch-analytisch nicht mehr von unbehandeltem Holz unterscheide. «Die Belastung durch Chemikalien, zumeist durch frühere Behandlungen des Holzes mit Beschichtungen oder Holzschutzmitteln, ist jedoch ein zentraler Grund, warum Altfenster aus Holz in Österreich nicht weiter genutzt werden dürfen», erklärt der Referent und betont: «Altholz macht glücklich …, wenn man rechtzeitig darauf schaut, dass man es hat, wenn man es braucht.» Die Gretchenfrage sei, woher man das Altholz – in entsprechender Qualität, zum richtigen Zeitpunkt und in der benötigten Menge – bekomme, wenn es gebraucht wird. Einen vergleichsweise simplen Ansatz würden aktuell Dietrich Untertrifaller Architekten ZT und Holzforschung Austria im kooperativen Forschungsprojekt Kon-Wert verfolgen. Hier werde im Zuge einer Gebäudesanierung das rückgebaute Altholz unmittelbar einer Qualitätskontrolle unterzogen und entsprechend der Eignung für den Ersatzbau an derselben Stelle genutzt. «Das stellt einen Idealfall dar, weil hierdurch weder LKW-Fuhren anfallen noch das Altholz jemals einen Abfallstatus erreicht», so Martin Weigl-Kuska.
«In manchen deutschen Bundesländern
hat sich der Fichtenvorrat halbiert»
Matthias Dieter, Leiter Thünen-Institut, Hamburg
Zufriedene Veranstalter
Uwe Germerott und Heinrich Köster, Geschäftsführer beziehungsweise Präsident von
Forum Holzbau, zeigten sich an der Jahrespressekonferenz während des 29. Internationalen
Holzbau Forum (IHF) sichtlich zufrieden: Einmal mehr übertraf die Zahl der Anmeldungen alle bisherigen Rekorde. Seit Beginn der Veranstaltungsreihe vor 30 Jahren geht es mit den Teilnehmerzahlen des IHF stetig bergauf. «3020 Anmeldungen gab es 2025», freute sich Geschäftsführer Uwe Germerott. «Mit den kurzfristigen Nachmeldungen kommen wir sicher auf 3100.» Das sind rund 200 Teilnehmende mehr als 2024. Auch die Zahl der Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist gestiegen. Mit 570 Personen (inklusive der 20 Nachmeldungen) kamen etwa 100 «Hölzige» mehr nach Innsbruck als noch im Vorjahr. Aus Deutschland waren rund 1430 Besucher (Vorjahr 1400) dabei, die Österreicher waren mit 590 Gästen (Vorjahr 580) vertreten und Italien mit 70 (Vorjahr 90). Knapp 380 Teilnehmende kamen aus anderen Nationen, insgesamt waren 41 Länder vertreten. Auch bei den Ausstellerfirmen gab es Zuwachs: 220 Unternehmen (Vorjahr 200) zeigten im Congress Innsbruck ihre Innovationen rund um den Holzbau. Zwei davon waren die Unternehmen Metsä Group aus Espoo, Finnland, und Naturheld GmbH & Co. KG aus dem deutschen Grafenwöhr, die im Rahmen der Pressekonferenz als neue Partner begrüsst wurden. Mit den Finanzen zeigte sich der Geschäftsführer ebenfalls sehr zufrieden. Die 14 Kongresse, die 2025 durchgeführt wurden, zählten eine Gesamtteilnehmerzahl von mehr als 9000 Personen und der Jahresumsatz belief sich auf 5,35 Millionen Euro. Die Erfolgsmeldungen sind aber kein Grund, sich auszuruhen: Für 2026 plant Forum Holzbau einen neuen Kongress in Malmö, Schweden, und will die Website ausbauen. Ausserdem sollen auf forum-holzwissen.com künftig Mittschnitte einzelner Vorträge abrufbar sein. Forum Holzbau soll weiterhin ein Verein mit Industrieträgerschaft und Beirat sein. Parallel dazu werde das Ziel verfolgt, eine ergänzende Stiftung zu gründen. Die Nachfolgeregelung für den Vorstand sei noch offen, als künftiger Geschäftsführer werde aktuell Carsten Ritterbach aufgebaut. Dabei machte Uwe Germerott deutlich, dass er durchaus noch eine Weile als Geschäftsführer tätig sein wolle.
Daten & Fakten
- 29. Internationales Holzbau Forum (IHF)
- 3.–5. Dezember 2025
- Veranstalter: Forum Holzbau
- Congress Innsbruck
- Rund 3100 Teilnehmende
- Rund 95 Vorträge
- Rund 220 Aussteller
forum-holzbau.com






