05/2014 Auf Erfolgskurs
BAUEN
Luftdichtheitskonzept nach neuer SIA 180
Seit diesem Juli ist die neue SIA 180 in Kraft. Sie ist die Hauptnorm zur Sicherstellung eines optimalen Raumklimas sowie der Vermeidung von Bauschäden.
Welche Neuerungen hält die umfassende Norm für das Thema Luftdichtheit bereit? Was ist eigentlich mit dem dort verwendeten Begriff des Luftdichtheitskonzepts gemeint? Der Begriff des Luftdichtheitskonzepts taucht schon länger in diversen Normen auf. So fordert die Flachdachnorm SIA 271: «Lage und Verlauf der Luftdichtung in der Fläche sowie bei An- und Abschlüssen müssen im Luftdichtheitskonzept festgelegt sein.» Dieser Satz stiess bei den Normungskommisionen auf grosses Interesse, so dass er in der Folge – ergänzt um das Stichwort «Durchdringungen» – auch in der SIA 232/1 «Geneigte Dächer» und der SIA 232/2 «Hinterlüftete Bekleidung von Aussenwänden» auftauchte. Jetzt steht der Begriff auch in der neuen SIA 180. Leider finden sich in all diesen Normen nur wenige Hinweise darüber, was mit einem Luftdichtheitskonzept gemeint und wie es in der Baupraxis umzusetzen ist.
Dank Luftdichtheitskonzept zu guter Qualität am Bau
Bei Konzepten ist es, wie bei allen Massnahmen zur Qualitätssicherung, wichtig, dass sie sich durch alle Arbeitsprozesse vom Vorprojekt bis zur Baudokumentation erstrecken. Die verschiedenen Schritte werden nun im Einzelnen betrachtet.
Projektierung
Die SIA 180 empfiehlt nicht nur im Bereich der Gebäudehülle, sondern auch zwischen gewerblichen Nutzungszonen oder Wohnungen, Anforderungen an die Luftdichtheit zu definieren. Sind diese Festlegungen erfolgt, können der Dämmperimeter und die Luftdichtheitsebene festgelegt und in den Plänen markiert werden. Dämmung und Luftdichtung sollten, wie in der Abbildung 1 dargestellt, lückenlos und umlaufend geführt werden. Problematisch ist bei der Luftdichtung oft ein Wechsel der Ebene. Bei einer Aufdachdämmung etwa läuft die Luftdichtungsebene, wie in Abbildung 2 verdeutlicht, in der Dachschräge aussen auf der Sichtschalung. Diese soll mit dem nächsten luftdichten Bauteil, dem Innenputz der Aussenwand, verbunden werden. Das hat sich in der Praxis als schwierig auszuführendes Detail erwiesen.
Durch die konsequente Darstellung in allen Plänen und aus der Erfahrung erkennt man schwierige Details und kann für eine fachgerechte Planung und Ausführung sorgen. Je nach Definition und Anforderungen sind dabei sowohl die Gebäudehülle als auch die Innenwände und Installationsschächte zwischen verschiedenen Nutzungseinheiten betroffen. Über diese Festlegung müssen alle Baubeteiligten informiert werden.
Ausschreibung
Die Festlegungen von Materialien und die Beschreibung der Ausführung in Fläche und Detail fliessen in Ausschreibungen und Leistungsbeschreibungen ein. Sie sind zusammen mit der Planung der zeitlichen Abläufe und der Abstimmung unter den Gewerken wichtig. Es werden Sollwerte definiert und Verantwortlichkeiten klar festgelegt. Komplex sind vor allem die Schnittstellen zwischen den Gewerken.
Ausführung
Fast allen Baubeteiligten ist die Bedeutung von Luftdichtung und Wärmedämmung für die Bauschadensfreiheit einer Konstruktion bewusst. Trotzdem kommt es immer wieder zu Bauschäden. Wenn man bedenkt, dass an einzelnen Bauteilen teilweise über sieben verschiedene Gewerke Hand anlegen, wird klar, wie wichtig die Koordination untereinander ist. Deswegen ist die Kontrolle der eingesetzten Materialien und der Qualität der Ausführung durch eine Bauleitung eine Forderung aus der SIA 180. Dies dient auch als Abgleich zum Sollwert aus der Ausschreibung.
Interne und externe Qualitätskontrolle
Für heikle Dämm- und Luftdichtungsarbeiten hat sich die betriebsinterne Qualitätssicherung nach dem Vier- Augen-Prinzip bewährt. Arbeitskollegen können sich während der Arbeit gegenseitig rückversichern, dass sie an Entscheidendes gedacht haben: Ist die Dämmung wirklich hohlraumfrei eingebracht? Sind alle Anschlüsse dauerhaft luftdicht ausgeführt? Sind Durchdringungen sauber an die Dampfbremse angeschlossen?
Eine besonders wirkungsvolle Qualitätssicherung erreicht man mit der Durchführung eines Dichtheitstests (Blower-Door). Verbliebene Fehlstellen können so einfach nachgebessert und spätere teure Nachbesserungsarbeiten vermieden werden. Dies trägt auch zur Nachhaltigkeit der Bauinvestition bei. Deswegen ist bei Minergie-P-Gebäuden eine solche Überprüfung, als Abnahme, obligatorisch. Dies schafft eine hohe Sensibilität und Wertschätzung bei den späteren Nutzern.
Hinweise aus der SIA 180 zu Luftdichtheit
- Bauteile, die Räume mit Luftverunreinigungen oder höherer Feuchte von Räumen mit Personenbelegung trennen, müssen luftdicht sein. Der Luftdurchgang durch die Elemente darf umgelegt höchstens 2 m³/h.m² betragen.
- Zwischen verschiedenen Nutzungszonen oder Wohnungen werden luftdichte Trennwände gefordert. Welche Zonen betroffen sind, wird bei der Planung festgelegt.
- Statt volumenbezogenen Grenzwerten bei 4 Pascal wurden neue, praktikablere und hüllflächenbezogene Grenzwerte bei 50 Pascal festgelegt (wie beim Blower-Door-Test).
- Fehlstellen in der Luftdichtungsebene dürfen weder zu Schäden führen noch die Behaglichkeit einschränken.
- Die Luftdichtheitsmessung soll in der Regel direkt nach Fertigstellung der luftdichten Gebäudehülle und damit vor dem Endausbau erfolgen. Damit wird eine gute Zugänglichkeit der Luftdichtungsebene zur Leckagebeseitigung sichergestellt.
- Für kritische Bauteile wie Fenster, Türen oder Tore sind Anforderungen an die Bauteile oder Luftdurchlässigkeitsklassen festzulegen.
- Grosse Gebäude und Nichtwohnbauten benötigen ein Messkonzept für den Blower-Door-Test. Solch ein Konzept ist auch Pflicht bei allen Minergie-P-Bauten. Die Anforderungen an Einzelbauteile und die Grenzwerte sind dort speziell zu vereinbaren.
- Lage und Verlauf der Luftdichtung in der Fläche, bei den An- und Abschlüssen sowie bei Durchdringungen müssen sorgfältig geplant und umgesetzt werden.
- Die Luftdichtung soll warmseitig der Wärmedämmung angebracht werden. Wo dies nicht möglich ist, muss das Kondensatrisiko immer mit einer Berechnung (Glaser oder Wufi) überprüft werden.
- Hohlräume zwischen Luftdichtung und Wärmedämmung, die Konvektion ermöglichen, sind nicht zulässig.
- Verbrennungsluft muss über (im Innenbereich gedämmte) Leitungen direkt der Feuerung zugeführt werden.
- Dunstabzugshauben müssen nahe an den Geruchs- oder Schadstoffquellen platziert sein. Zu ihrem einwandfreien Betrieb sind Nachströmöffnungen vorzusehen, die bei Abstellen des Ventilators selbstständig schliessen.







