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03/2026 Himmelwärts bauen

FOKUS.THEMA

Himmelwärts mit Pultdach

Die kleine Baugenossenschaft Heimet in Zürich hat eine Stadtzürcher Siedlung mit 24 Wohneinheiten teils aufgestockt und sorgfältig saniert. Das Resultat zeigt eine feinfühlige Architektur und eine pragmatische Lösung aus Holz.

Text Sue Lüthi Fotos Meletta Strebel Architekten AG, Claudia Reinert Pläne Meletta Strebel Architekten AG, Saxer Holzbau GmbH

 

Die Baugenossenschaft Heimet besteht aus drei Siedlungen in der Stadt Zürich und verfolgt seit ihrer Gründung 1945 den Zweck, preisgünstigen Wohnraum zu schaffen und zu erhalten. Unter diesem Credo stand die Sanierung der 24 Reihenhäuser an der Käferholzstrasse aus dem Jahr 1948. Diese Lage ist bei einer grossen Bevölkerungsgruppe beliebt. Die vier Häuserzeilen stehen in der Falllinie am Waldrand des Käferbergs, wo das Quartier viele Grünflächen, wenig Verkehr und doch eine gute Erschliessung in alle Richtungen bietet. Im Fokus lag die Schaffung von mehr Wohnraum und die energetische Optimierung. Nach einer Machbarkeitsstudie haben sich die Genossenschaftsmitglieder gegen den Abbruch mit der möglichen Arealüberbauung entschieden, denn dies hätte bedeutet, allen Bewohnenden der Siedlung kündigen zu müssen. 


Nach einem Planerwahlverfahren schlugen die Meletta Strebel Architekten AG aus Zürich die Aufstockung von einem Geschoss sowie geringe Anpassungen in den Grundrissen vor, so dass die Grundstruktur erhalten bleiben konnte. Ursprünglich war vorgesehen gewesen, alle vier Reihen aufzustocken, doch dies überstieg das Budget, denn das Ziel war eine kostenbewusste Sanierung, bei der die Mieten im vorgegebenen Rahmen bleiben konnten.
 

Mit Pultdach Höhe gewonnen
Das Areal bietet zwar noch viel Ausnutzungsfläche, doch die Gebäude durften nur einseitig erhöht werden, weil sie am Hang stehen und sonst bergseitig zu hoch geworden wären. So wurden die Satteldächer abgetragen und pultartig neu aufgesetzt. Darunter sind nun zwei zusätzliche, vollwertige Räume entstanden. Die Aufstockung und die Innenwände wurden wo möglich in Holz ausgeführt. Das Mauerwerk sowie die Beton- und Holzdecken präsentierten sich in einem schlechteren Zustand als erwartet und viele Details in den scheinbar identischen Reihenhäusern waren unterschiedlich ausgeführt worden, was die Bauarbeiten aufwendiger machte. Auch die Statik war teilweise ungenügend, so dass zum Beispiel die Durchgänge von der Küche zum Wohnzimmer mit Stahlträgern verstärkt werden mussten. 


Viele Leistungen vom Zimmermeister
Die Holzbauarbeiten gingen an die Saxer Holzbau GmbH Zürich, deren Betrieb praktischerweise in nächster Nähe liegt. Der grösste Teil der Arbeiten umfasste die Erstellung der Elemente, die auf das Mauerwerk des ersten Obergeschosses gesetzt wurden. Die beiden Dachflächen in den Neigungen 26 Grad und 14 Grad sind im Knick fest verbunden und als ganzes Stück verlegt worden, erklärt Kurt Trachsel, Geschäftsführer der Saxer Holzbau GmbH. Sie liegen auf den Aussenwänden und einem Wandeinbinder (120 mm × 120 mm) auf. Die Zimmer im Dachgeschoss werden durch eine mittig gelegene neue Treppe erschlossen und von einem durchgehenden Fensterband belichtet. Auch die Treppe lieferten die Zimmerleute als fertiges Element an. Vor dem Fensterband lassen sich neue Holzläden hin- und herschieben und oberhalb zeigt sich die vertikale Fassadenschalung aus sägeroher Fichte. Die bestehenden Wände der unteren Geschosse wurden aussen mit 16 Zentimeter Steinwolle eingepackt und verputzt und die Fenster ersetzt. Kurt Trachsel ist nicht nur Geschäftsführer der Saxer Holzbau AG, sondern auch von vier weiteren Unternehmen. Diese boten die Zimmerei- und Schreinereiarbeiten an sowie jene für die Gebäudehülle. So konnten die Arbeiten praktisch aus einer Hand gefertigt werden.


Im ersten Obergeschoss verschoben die Architekten das Bad und liessen den entstandenen Vorplatz offen. Dorthin mündet die aufgefrischte Holztreppe vom Erdgeschoss her – eine willkommene Grosszügigkeit in den sonst knapp bemessenen Zimmern. Im Erdgeschoss haben die Handwerker einen grösseren Durchgang zum Wohnraum geschaffen und die Küche komplett neu gestaltet. Die Holzbauer haben den Bretterboden auf der Balkenlage abgeschliffen und aufgefrischt, im Dachgeschoss folgten auf eine Ausgleichschüttung eine Fermacellplatte mit Trittschalldämmung und ein Linoleumbelag.


Mieter konnten bleiben
Die zwei Häuserzeilen ohne Aufstockung wurden aufgewertet und modernisiert, jedoch ohne strukturelle Eingriffe. Auf den bestehenden Dächern installierte das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich Photovoltaikmodule. Die veralteten elektrischen Wassererwärmungen und die Gasheizung wurden durch moderne Wärmepumpen ersetzt. Dank dieser Massnahmen konnte die Energieeffizienz deutlich gesteigert und der Verbrauch stark reduziert werden. 
 

Die Häuser weisen 70 oder 85 Quadratmeter Wohnfläche mit 4 oder 4,5 Zimmern auf sowie rund 100 Quadratmeter mit 
5 Zimmern in den aufgestockten Häusern. Die Bauarbeiten erfolgten in drei Etappen, so dass die Mieter bleiben konnten. Dies haben schlussendlich 13 Parteien genutzt. Sie zogen für den Umbau in eine leere Wohnung und nach der Fertigstellung zurück in ein neues Haus. bgh.ch, msa-architekten.ch

Saxer Holzbau GmbH, Zürich

Im Jahr 2016 bot sich Kurt Trachsel (62; Bild oben) die Gelegenheit, die Saxer Holzbau GmbH in Zürich mit 12 Mitarbeitenden zu übernehmen. Trachsel ist dipl. Zimmermeister mit Abschluss in Unternehmensführung SIU. Er leitete eine Zimmerei in Dielsdorf (ZH), war viele Jahre Lehrbeauftragter an der Berner Fachhochschule in Biel und Baugutachter bei Holzbau Schweiz. Heute beschäftigt die Saxer Holzbau GmbH 34 Mitarbeitende, 13 davon sind Lernende. Weil der Betrieb in der Stadt Zürich wegen Platzmangel nicht wachsen kann, expandiert Trachsel anderweitig: 2018 übernahm er die Ideal Holzbau AG in Ballwil (LU) – ein Unternehmen, das auf Dachanhebungen spezialisiert ist. Dieser Betrieb wuchs unter seiner Führung von 6 auf 12 Mitarbeitende. 2021 suchte die Keller Holz- und Fassadenbau AG in Altendorf (SZ) mit 12 Mitarbeitenden eine Nachfolgelösung und wurde ebenfalls von Trachsel übernommen. Die Firma hat sich mittlerweile auf 20 Mitarbeitende vergrössert. 2024 gesellte sich die Baumann Bau-Spenglerei in Zwillikon (ZH) mit 3 Beschäftigten zu Trachsels Firmen – heute arbeiten dort 10 Mitarbeitende. Und im Herbst 2025 packte Kurt Trachsel die Gelegenheit, die Gyger-Brack AG aus Zofingen (AG) mit 26 Mitarbeitenden zu übernehmen, ein Mischbetrieb Zimmerei/Schreinerei mit eigener Fensterproduktion. Total liegen nun fünf Unternehmen in den Geschicken von Kurt Trachsel. Alle Firmen der Traba-Gruppe operieren eigenständig, nutzen aber Synergien und arbeiten zusammen. saxer-holzbau.ch, ideal-holzbau.ch, holzbau-keller.ch, bau-spenglerei.ch, gyger-brack.ch


Aufstockung Reihenhäuser

Projekt: Genossenschaftshäuser am Käferberg, Zürich
Bauherrschaft: Baugenossenschaft Heimet, Zürich
Architektur: Meletta Strebel Architekten AG, Zürich
Holzbauingenieur: Krattinger Engineering AG, Happerswil (TG)
Holzbauunternehmen: Saxer Holzbau GmbH, Zürich
Zeitraum: 2022–2025
Holzart: Tanne/Fichte
Gebäudevolumen: 13 000 m3
Bruttogeschossfläche: 5500 m3
Baukosten gesamt: ca. CHF 12,2 Mio.
Kosten Holzbau: ca. CHF 1,5 Mio.