04/2026 Grossprojekt
BILDEN
«Da muss man selber studieren»
Der neue Trattstall im Sankt Galler Rheintal bei Marbach misst 32 auf 11 Meter – also kein kleines Projekt für die 13 lernenden Zimmerleute, die das Ökonomiegebäude betriebsübergreifend und von Anfang bis Ende eigenständig realisierten.
Der alte Marbacher Trattstall brannte 2023 ab. Zum Glück kamen dabei weder Mensch noch Tier zu Schaden, aber wertvolle historische Bausubstanz ging verloren. Die Brandursache ist nach wie vor unklar, doch beim Wiederaufbau trägt die Versicherung den vollen Verkehrswert – bei einem Abbruch wäre es nur ein Drittel gewesen. Für die kleine Gemeinde mit knapp 2200 Einwohnenden war schnell klar, dass der Stall wiederaufgebaut werden soll, auch wenn das Budget dafür knapp ist. An dieser Stelle kamen Bruno Ender und Urs Haltiner von der Kobelt AG ins Spiel. «Wie bei so manchem Projekt entstand die Idee bei einem Gläschen Wein», erinnert sich Bruno Ende, der auch Ratsmitglied der Ortsgemeinde Marbach ist. Urs Haltiner, Leiter Holzbau/Schreinerei bei der Kobelt AG, sprach sich sofort dafür aus, dem Trattstall eine zweite Chance zu geben. «Wir wollten das Objekt mit dem Budget der Versicherung eins zu eins nachbauen», so Ender. Die Architekturplanung erfolgte bald darauf über die Kobelt AG, dem Baugesuch der Gemeinde wurde 2025 stattgegeben, die Holzbau-Vorfertigung startete Anfang 2026.
«Brutal motiviert»
Die beiden Arbeitskollegen Ender und Haltiner organisierten den Wiederaufbau als betriebsübergreifendes Lehrlingsprojekt der Region und holten die Hauser Holzbau Marbach AG und die Schönauer AG aus Rebstein mit ins Boot. Bevor jedoch die Dritt- und Viertlehrjahrstifte von Kobelt (5), Schönauer (6) und Hauser (2) zum Zuge kamen, waren noch weitere Lernende involviert: die angehenden Bauzeichner der Kobelt AG bei der Planung und lernende Maurer für die Fundation und Bodenplatte. Die jungen Zimmerleute zeichneten dann für Aufriss, Abbund, Vorfertigung und Aufrichte verantwortlich. «Die Lernenden waren brutal motiviert», freut sich Urs Haltiner über die Begeisterung seiner jungen Berufskollegen. Insgesamt wurden rund 85 Kubikmeter Holz aus der Region verarbeitet – grösstenteils Käferholz aus dem Marbacher Wald. Für den Querverband kamen Dreischichtplatten zum Einsatz.
Anfang April 2026 – zum Glück bei bestem Wetter – war alles parat für die viertägige Aufrichte der 32 Meter auf 11 Meter grossen und 8 Meter hohen Halle.
Zunächst setzten die Lernenden die Riegelwerk-Aussenwände und die Innenwände. Als am dritten Aufrichtetag per Kran die zwei Fachwerkbinder für das Dachtragwerk eingehoben wurden, liefen parallel schon die Fassadenarbeiten. Auch die Arbeiten für das 35-Grad-Dach stemmten die angehenden Zimmerleuten später selbst. Ebenso fertigten sie das grosse Holztor für den neuen Trattstall. Der Bau wird nämlich keine Tiere mehr beherbergen, sondern künftig von drei Pächtern als Einstellhalle für landwirtschaftliche Fahrzeuge genutzt. Für die Strom-, Sanitär- und Spenglerarbeiten waren ebenfalls Lernende aus örtlichen Handwerksunternehmen im Einsatz.
Lernen beim Handabbund
«Bei uns im Betrieb machen wir den Abbund normalerweise nicht von Hand», erklärt Mirko Keller, Lernender Zimmermann bei der Schönauer AG, bei einem Gespräch auf der Baustelle. «Man lernt viel beim Handabbund, da kann ich was mitnehmen für die Prüfung.» Für ihn sei bei dem Projekt insbesondere interessant gewesen, auf was man beim Anreissen der Pfette achten musste. Auch für Severin Benz, Lernender Zimmermann bei der Kobelt AG, war der Handabbund eine spannende Herausforderung: «Da muss man selber studieren.» Die Pläne seien von den Lernenden eigenständig übertragen worden, erzählt er und betont: «Cool ist bei dem Projekt der Austausch mit den anderen Lernenden.» Für Lino Ritz, lernender Zimmermann bei der Hauser Holzbau Marbach AG, war vor allem während der Vorfertigung der Einblick in die grösseren Betriebe Schönauer und Kobelt interessant: «Für mich ist spannend zu
sehen, wie die anderen Firmen funktionieren», sagt er. «Und schön ist auch, dass ich selbst Verantwortung übernehmen darf.»
Und was ist auf der Lehrlingsbaustelle
schiefgelaufen? «Erstaunlich wenig», sagt Mirko Keller stolz. «Wir mussten mal ein Loch nachbohren – das war’s auch schon. Weil wir noch Lernende sind, wurde natürlich alles gut geprüft.» Ein durchweg positives Fazit zieht auch Urs Haltiner. Das Projekt sei für alle Beteiligten eine tolle Erfahrung gewesen. Deshalb soll solch ein firmenübergreifendes Lehrlingsprojekt möglichst wiederholt werden, falls sich ein geeignetes Projekt ergibt. hauserholzbau.ch, kobelthaus.ch, schoenauer.swiss










