04/2014 Für die Zukunft
BEWEGEN
Sicherheit planen
Im Rahmen von Holzbau Vital konnten bis dato 370 Sicherheitsbeauftragte (SIBE) ausgebildet werden. Im Interview erzählen zwei SIBE von ihren bisherigen Erfahrungen inner- und ausserhalb ihrer Betriebe und wo sie auch mal an Grenzen stossen.
Warum engagieren Sie sich als Sicherheitsbeauftragter in Ihrem Betrieb?
Martin von Allmen (MvA): Im August 2013 habe ich neu bei der Schaerholzbau AG in Altbüron als Techniker angefangen. Die Position des SIBE war zu diesem Zeitpunkt vakant. Bereits im Bewerbungsgespräch bin ich gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, diese Funktion zu übernehmen. Dies habe ich dann auch gerne gemacht.
Remo Brändli (RB): Bei mir war leider ein trauriges Ereignis der Grund, weshalb ich nun als SIBE in meinem Betrieb tätig bin. Im Juni 2011 gab es unter meiner Projektleitung einen tödlichen Arbeitsunfall beim Aufrichten auf der Baustelle. Ich war ebenfalls vor Ort und habe alles miterlebt. Als mich dann mein Chef für den Posten des SIBE anfragte, musste ich daher nicht lange überlegen.
Was genau sind Ihre Aufgaben als SIBE?
MvA: In erster Linie nehme ich eine beratende Funktion ein, unterstütze bei Einschätzungen von möglichen Gefahren und wie man sich in den jeweiligen Situationen am besten schützen kann. Hinzu kommen auch Kontrollen auf der Baustelle, um zu sehen, ob die Sicherheitskonzepte und Richtlinien von den eigenen Leuten wie auch von den Subunternehmen richtig umgesetzt werden. Schliesslich bin ich auch für die Bereitstellung und Instandhaltung des Sicherungsmaterials verantwortlich.
RB: Die S. Müller Holzbau GmbH übernahm 2008 die Holzbauabteilung von Marty Häuser und damit eigentlich auch ein ausführliches Sicherheitssystem. Leider war dies nicht wirklich praktikabel. Ein dicker Ordner voll mit theoretischem Wissen. Meine erste Aufgabe bestand daher darin, ein betriebliches Sicherheitssystem auf die Beine zu stellen, das auch konkrete Massnahmen enthält. Dazu gehören vor allem AVOR-Vorlagen, womit die Projektleiter auch wirklich arbeiten können. Denn Sicherheit muss geplant sein. Alles, was zuvor nicht geplant wird, wird letztlich auch nicht gemacht. Beraten, Kontrollieren sowie auch das Verantworten des Sicherungsmaterials gehören wie auch bei Martin ebenfalls zu meinen Aufgaben.
Welche Herausforderungen sehen Sie in Bezug auf die Umsetzung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz?
MvA: Meines Erachtens gibt es zwei Herausforderungen: Zum einen wäre da der terminliche Druck. Oft bleibt wenig Zeit für die Planung und Kontrolle der Sicherheit. Zum anderen sind sich die Leute teilweise nicht im Klaren darüber, was ein Unfall für Konsequenzen haben könnte. Ich denke hier nicht nur an die gesundheitlichen Folgen, sondern auch an die rechtlichen Konsequenzen. Denn da können sie sich nicht einfach hinter dem Unternehmen verstecken.
RB: Wobei es auch wichtig ist, den Mitarbeitenden klarzumachen, dass es nicht darum geht, die Verantwortung auf sie abzuschieben und ihnen für alles die Schuld zu geben. Gespräche sind daher das A und O, um auch gegenseitig die Erwartungen abzuholen.
MvA: Ich denke jedoch auch, dass wir uns derzeit in einem Generationenwechsel befinden. Vor zehn bis fünfzehn Jahren ist man beispielsweise einfach ungesichert auf die Leiter gestanden und hat seine Arbeiten verrichtet. Das war gang und gäbe, man hatte es schon immer so gemacht und machte es deshalb auch weiterhin so. Die zahlreichen Unfälle zeigten aber, dass ein Umdenken stattfinden muss. Solch ein Wandel braucht seine Zeit. Es ist wichtig, die Leute zu informieren, dass es sinnvoll ist, beispielsweise für das Aufrichten einer Scheune ein Netz einzuspannen, auch wenn die Arbeit nur einen halben Tag dauert. Aufklärung ist alles.
Wie machen Sie das genau?
MvA: Wir halten bei uns im Betrieb regelmässig Infoveranstaltungen ab, wo wir aktuelle Themen oder auch Vorfälle zusammen anschauen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass, wenn ein Betroffener selbst von seinen Erfahrungen erzählt, dies eine nachhaltigere positive Wirkung auf die anderen hat, als wenn der Chef vorne etwas erzählt. Natürlich braucht es aber auch Mut, sich vor allen hinzustellen und zu sagen, ich habe diesen oder jenen Fehler gemacht. Davor habe ich grosse Hochachtung. Generell sollte es ja nicht darum gehen, als SIBE den Polizisten zu spielen. Vielmehr ist mein Wunsch, die Leute zum Mitdenken anzuregen und ihre Bedürfnisse punkto Sicherheit und Gesundheit ernst zu nehmen. Dass ich dabei als Vorbild voran gehen muss, versteht sich von selbst. RB: Die richtige Dosis macht es aus. Es bringt nichts, wenn man andauernd rumnörgelt. Dies sorgt für schlechte Stimmung und die Leute schalten auf Durchzug. Als SIBE muss man ein gutes Gefühl dafür entwickeln, wann was angebracht ist und wann nicht. Und ja, man muss selbst mit gutem Beispiel voran gehen, sonst nehmen einen die Kollegen nicht ernst. Nebst der Schulung und Sensibilisierung der eigenen Leute gibt es aber noch einen anderen Aspekt, der nicht ganz unerheblich ist.
Der da wäre?
RB: Die Architekten und Bauleiter. Ich vermisse da oft das Verständnis für unsere Sichtweise. Was bringen dir das beste Sicherheitskonzept, die praktischsten Lösungen, wenn im Vorfeld der Planung das Thema Sicherheit nie diskutiert wurde oder keine Rolle spielt? Bei einem Architekten, mit dem wir öfters zusammenarbeiten, haben wir uns deshalb mal erlaubt, erst mit der Aufrichte anzufangen, als das Gerüst fix und fertig paratstand. Derweil warteten wir im Café, die Stunden haben wir aber aufgeschrieben. Klar war zunächst der Teufel los, aber der Architekt sah auch schnell ein, dass wir so nicht hätten arbeiten können. Vielfach musst du jedoch darauf vertrauen, dass die entsprechende Infrastruktur korrekt vorhanden ist, was leider oft nicht der Fall ist.
MvA: Ich würde deshalb begrüssen, dass schon in der Projektierungsphase nicht nur über die Ästhetik der Fassade diskutiert wird, sondern auch, wie diese überhaupt umsetzbar ist in Bezug auf Arbeitssicherheit. Denn wenn Sicherheitskonzepte schon frühzeitig mit in die Planung einfliessen, können diese auch in der Offertenphase berücksichtigt und eingeplant werden.
Wie steht es eigentlich um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz im Betrieb selber, in der Werkhalle oder im Büro? Welche Themen beschäftigen Sie hier?
MvA: Wir sind gegenwärtig daran, im Rahmen unserer Qualitätssicherung ein Alarmierungs- und Fluchtkonzept zu erstellen. Wir haben eine grosse Produktionshalle und ein Büro, wo wir bis heute nicht geklärt haben, wie es im Falle einer Evakuierung ablaufen soll. Wo sind Fluchtwege, wo ist der Sammelpunkt? Zudem beschäftigen uns ganz praktische Dinge wie die richtige Schreibtischhöhe oder wo wir den Drucker am besten platzieren.
RB: Dies sind zwar kleine Dinge, wofür man vielleicht auch mal belächelt wird, wie auch für das Verteilen von Sonnencreme. Jedoch sind auch dies wichtige Dinge. Bei uns in der Werkhalle war auch das Thema Lärm- und Staubbelastung längere Zeit ein Problem. Gerade bei CNC-Maschinen wird es schnell laut und staubig, wobei die Absauganlage die Lärmbelastung noch zusätzlich steigert. Sie wird dann einfach nicht mehr gebraucht. Ein Schallschutzkörper schafft nun Abhilfe.
Wie sieht Ihr derzeitiges Fazit aus?
MvA: Es ist schön zu sehen, wie die Leute anfangen mitzudenken und die Mittel nutzen, die wir ihnen zur Verfügung stellen. Die Funktion als SIBE braucht viel Einsatz, du musst dranbleiben, ständig wieder auf die gleichen Sachen hinweisen. Aber wenn sie am Ende von alleine auf dich zukommen, sei es mit Lösungsvorschlägen oder Anliegen, ist dies Lohn genug.
RB: Unsere betriebsinternen Fallzahlen konnten wir bereits deutlich reduzieren. Für die Zukunft wünsche ich mir deshalb gut ausgebildete Fachkräfte wie auch Bauleiter und Architekten, damit Sicherheit auf der Baustelle wie auch am Werkplatz zu einer Selbstverständlichkeit für alle wird.
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Zu den Personen
Remo Brändli, S. Müller Holzbau GmbH, Wil SG
Nach seiner Lehre zum Zimmermann absolvierte Remo Brändli die Ausbildung zum Holzbautechniker. Im April 2011 stiess er als Projektleiter zur
S. Müller Holzbau GmbH, wo er seit März 2013 nun auch Geschäftsführer der im selben Jahr vollständig übernommenen Firma Werkstoff Holz AG ist. Die S. Müller Holzbau GmbH wurde 2008 von Stefan Müller gegründet und beschäftigt gegenwärtig rund 60 Mitarbeitende.
Martin von Allmen, Schaerholzbau AG, Altbüron LU
Im August 2013 kam Martin von Allmen als Projektleiter zur Schaerholzbau AG. Zuvor war er während zwölf Jahren bei einem Familienunternehmen (u.a. Holzbau) in verschiedenen Funktionen tätig. Die Schaerholzbau AG wurde 1992 von Walter Schär gegründet und unterhält ein Stammwerk in Altbüron sowie Zweigwerke in Grossdietwil, Reiden und Horw mit insgesamt rund 80 Mitarbeitenden.
Kursdaten Herbst 2014
Grundkurse
Donnerstag, 30.10.2014, Wil SG
Dienstag, 4.11.2014, Bern
Dienstag, 11.11.2014, Luzern
Dienstag, 18.11.2014, Landquart
Weiterbildungskurse
Donnerstag, 6.11.2014, Wil SG
Donnerstag, 13.11.2014, Olten
Donnerstag, 20.11.2014, Luzern
Weitere Informationen und Anmeldeformulare finden Sie auf unserer Website unter: holzbau-schweiz.ch/dienstleistungen/sicherheit-gesundheit.







